Wenn ich ein Buch lese, gehe ich mit einer gewissen Erwartung an ein Buch heran. Aufgebaut wird diese Erwartung unter anderem durch den Klappentext, der in diesem Fall eine Liebesgeschichte zweier Kinder von verfeindeten Inseln verspricht, eine neumodische Romeo-und-Julia-Love-Story!
Doch im Grunde erzählt Elizabeth Gilbert hier die Geschichte von Ruth Thomas und einer kleinen Insel, Fort Niles, vor Maine. Das Leben auf der Insel wird bestimmt vom Hummerfang. In diesem Umfeld wächst die kleine Ruth auf, die schon damals ein wenig pfiffiger ist, als der Rest der Inselbewohner. Als Ruth 10 ist, kommt ihre Mutter von einem Urlaub auf dem Festland nicht zurück und von nun an, lebt sie alleine mit ihrem Vater.
Ihre Nachbarin, Mrs. Pommeroy, wird zu ihrer Ersatzmutter und besten Freundin. Ein paar Jahre später wird Ruth auf eine private High School auf dem Festland geschickt und kommt nur noch zu den Ferien zurück auf die Insel. Während dieser Zeit entfremdet sie sich von den Mitbewohnern immer mehr. Was ihr schmerzlich bewusst wird, als sie im Alter von 18 Jahren nach ihrem Abschluß wieder zurück kommt.
Sie verbringt ihre Tage damit aufs Meer zu schauen und zu überlegen, was sie mit ihrem Leben jetzt anfangen soll. Bleibt sie auf Fort Niles oder besucht sie doch lieber ein College. Bis sie dann eines Tages Owney begegnet und sich in ihn verliebt. (Besagte Liebesgeschichte, die, wie ich finde, fast nur nebenbei erwähnt wird und erst in den letzten Seiten zum Leben erweckt wird.) Durch seine Liebe zum Hummerfang wird Ruth dann auch bewusst, wie ihre Zukunft aussieht. Sie wird Fort Niles und den Bewohnern dabei helfen, zu überleben.
Während wir hier viel über Ruth erfahren, teilt Gilbert uns auch viel über Ruths Hintergründe mit. Uns wird die Geschichte ihrer verwaisten Großmutter erzählt, die von einer reichen Familie adoptiert und als Hausdiener angestellt wurde. Ein Schicksal das Ruths Mutter ebenfalls teilte. Bis sie Ruths Vater heiratete. Doch bis heute hat sich der Einfluß auf Ruths Mutter, wie auch auf Ruth selbst, nicht gelegt.
Eingebettet ist die Geschichte um Ruth und ihre Familie in die Geschichte zweier kleiner Inseln, Fort Niles und Courne Haven, die aufgrund des reichen Hummervorkommens immer wieder in Kriege verwickelt wurden.
“Der Hummerkrieg” ist ein schönes, wie auch einfaches Buch, genauso wie die Geschichte, die es beschreibt. Hat man sich erst einmal durch die historischen Anfänge der Inseln gekämpft, beginnt dann auch endlich die Geschichte selber.
Wenn ich ehrlich bin, bin ich ein wenig zwiegespalten. Meinen Erwartungen wurde das Buch nicht gerecht. Trotzdem hat es mir doch ganz gut gefallen. Die einfach Art wie Gilbert ihre Story erzählt, fand ich ziemlich schön. Aber an ‘Eat, Pray, Love’ kommt es lange nicht heran. ‘Hummerkrieg’ war ihr Erstling. Und dafür finde ich, ist es gut gelungen. Ich würde mich über so einen Erstling freuen, der zwar nicht total einschlägt, aber trotzdem eine schöne Geschichte erzählt, die es sicher wert ist, gelesen zu werden.