Archiv für Kategorie Rohmaterial

Date: September 17th, 2009
Cate: Persönliches, Rohmaterial

Gut gereimt, ist doppelt gedichtet!

motiviert nach ein paar gereimten gedichten von heiz erhardt, kann sich eine unterhaltung auch einmal anders gestalten! beispiel sieht wie folgt aus:

da saß ein kleiner Kakadu,
ich dacht er wollt nach Katmandu,
doch flog er zu den Bergen hoch,
auf seine Rückkehr wart ich immernoch.

hier sitzt ich in der kiste aus sand
und halte einen brief in der hand
er ist von dem kleinen Kakadu,
aus einem fernen land
so schreibt er von sein´ reisen nun
und hat sonst nix zu tun.
so sitz ich nun in meiner sandkiste
und schreib ihm für souvenirs ne liste

Ich sag dir jetzt  – bis gleich,
denn telenieren muss ich nun;
es wäre für mich hilfreich,
sagtest du mir, wann feierabend du gedenkst zu tun
ich dachte mir, es wäre schön
könnte ich doch nur jetzt schon gehn

das kann ich verstehen

der schmerz im kopf, er ist fast fort
drum bleib ich noch, an diesem ort
um fünf da schlägt die achte stund
drum denk ich mir, es wär g’sund
wäre ich doch einmal richtig klug
und nehme den tollen zug
dass ich um sechs in hamburg bin
ergibt das für dich einen sinn?
das klingt hervorragend für mich,
um sechs am gleis, da seh´ ich dich

sehr schön gedichtet haben wir,
nun müsst es nur noch zu papier
oder auf den blog der feder,
dort sieht es dann ein jeder.
ja, das mach doch mal geschwinde,
sonst ists dahin, in alle winde.

alles klar, bis später dann,
muss nun wieder an die arbeit ran
Date: September 18th, 2008
Cate: Rohmaterial

blicke

Du bemerkst sie gar nicht. Auf einer Straße voller Menschen siehst du sie gar nicht. Sie fällt dir nie auf. Sie geht ihren Weg, unbemerkt und alleine. Die Großstadt ist der beste Ort, um alleine zu sein. Niemand kümmert sich um dich. Du läufst durch die Strassen und in deinem Kopf rattern Zeugenaussagen und Paragraphen. Du schaust nicht auf und überlegst, wie du am besten den nächsten Fall gewinnen kannst. Du wärst fast über sie hinweg gelaufen. Sie fällt nicht auf. Sie ist unscheinbar. Ihr stoßt zusammen und du bist wütend.
Was macht diese Frau hier. Wieso steht sie dir im Weg. So gehst du durch dein Leben, ohne die Frage wie, gehst du einfach voran. Dabei sind dir Menschen völlig egal. Für dich zählt nur der Erfolg, das Geld und die Macht. Und hier ist diese Frau, die es doch tatsächlich traut, sich dir in den Weg zu stellen.
Dumme Kuh, hörst du dich sagen. Und sie steht einfach nur da und macht nichts. Sie rührt sich nicht und schaut dich an. Sie verzieht keine Miene. Dein innerer Groll verstärkt sich. Was willst du?
Und dann verselbstständigen sich ihre Gesichtszüge. Sie zieht ihre Mundwinkel bis ans Äußerste an, sie öffnet leicht die Lippen, voll und weich und ihre Zähne kommen zum Vorschein. Du blickst in ihre Augen und tauchst ein, in ein blaues Meer. Dieser Blick, er lässt dich nicht mehr los. Das Strahlen ihres Gesichtes wird durch nichts gemindert. Was ist das in deinem Magen, was du da spürst? Du fühlst, als ob du dich übergeben musst. Was ist los? Was wollte ich gerade noch tun? Du kannst dich aufs Verrecken nicht mehr dran erinnern.
Entschuldigen Sie bitte, hörst du dieses Engelswesen sagen. Wo kam das jetzt her. Diese zarte, helle Stimme. Bitte sag noch etwas. Hör nicht auf zu reden. Was ist das. Erzähl mehr. Du fühlst dich abhängig von dieser Stimme. Bettelnd blickst du in den Himmel, dass du sie noch mal hören willst.
Ist alles ok mit Ihnen? Da war sie wieder. Ok? Ja, ich denke schon? Reden, wie ging das gleich noch, Mund öffnen und schließen und dann kommt da schon was raus! Du merkst, wie du den Mund öffnest und schließt, aber da will kein Ton rauskommen.
Hallo, alles ok? Hallo, sie da…
Ähm ja alles ok, hörst du dich endlich sagen. Gott sei dank, denkst du. Ich kann es noch. So langsam klären sich deine Gedanken wieder und du kommst zur Besinnung. Was war das eben? Und du schaust, wieder in diese Augen und beginnst dich wieder zu verlieren, als eine schrecklich, krächzende Stimme dich aus deinem Traum reißt.
Was ist eigentlich mit Ihnen los, haben sie keine Augen im Kopf? Das arme Ding einfach zu umzulaufen und dann auch noch so grob daher zu reden. Was denken sie denn, wer sie sind? Und da kommt es dir wieder in den Sinn. Du warst auf dem Weg zur Kanzlei, als das Schicksal dir einen Strich durch die Rechnung machte und du dich das erste Mal in deinem Leben verliebt hast. Jetzt endlich schaffst es auch du endlich mal zu lächeln. Du drehst dich wieder dem Engel zu.
Entschuldige bitte. Das war ziemlich unhöflich. Darf ich dich als Entschuldignung auf einen Kaffee einladen?…

Wie jeden Morgen nimmst du den gleichen Weg zur Arbeit. Die Hauptstrasse hinunter bis zur großen Ampel. Je weiter du dich der Kreuzung näherst, umso mehr Menschen umringen dich. Bis du nur noch einer von vielen bist. Du tauchst ab in die Unbekanntheit der Großstadt. Grün und die Traube bewegt sich über die Strasse nach vorne. Und da erblickst du ihn wieder. Auf der anderen Straßenseite. Groß, blond, gut aussehend. Er hat wieder seinen guten Anzug an und die gestreifte Krawatte. In diesem Outfit gefällt er dir am besten. Wie jeden Morgen scheint er in einer anderen Welt zu existieren. Er bewegt sich ohne Anstrengung durch die Menge. Seit vier Monaten siehst du ihn jeden Morgen deinen Weg kreuzen. Bemerkt hat er dich nie und wird er auch nicht. Aber jeden Morgen, wenn er an dir vorbeieilt, wünschst du dir, dass er doch einmal aufschauen und dich anlächeln würde. Einmal hast du ihn lächeln gesehen, wie er eine blonde Frau mit Modelmaßen angelächelt hat. Seither nie wieder. Du verlierst dich in diesen Gedanken nach dem Lächeln, bis du von einem großen Stoß, Rütteln aus deinen Träumen gerissen wirst.
Was machen sie hier. Wieso stehen sie mir im Weg. Dumme Kuh. Du schaust auf und erblickst ihn. Du bist gerade mit Ihm zusammengestoßen. Dein Gesicht verselbstständigt sich und fängt an zu lächeln. Du hast das Gefühl rot zu werden und würdest am liebsten im Erdboden versinken.
Entschuldigen sie bitte, hörst du dich sagen. Und du stehst ihm immer noch gegenüber. Du schaust dich um, hinter welcher Ecke du als nächstes verschwinden kannst. Dann schaust du noch mal hoch und kannst es gar nicht fassen, er steht da vor dir und schaut dich an. Bittend schickst du ein Gebet gen Himmel nach nur einem Lächeln von ihm. Aber er schaut nur ziemlich verstört drein.
Ist alles ok mit ihnen? Fragst du ihn. Du siehst wie er seine Lippen auf und ab bewegt. Fast kommt es dir vor, als ob er sich lustig über dich macht und ein wenig verärgert fragst du noch einmal nach.
Hallo, alles ok? Hallo, sie da?
Ähm ja alles ok stammelt er hervor. Du schaust ihm in die Augen und hast das Gefühl weg zu gleiten. Weit weg. Bis eine schrecklich, krächzende Stimme dich aus deinem Traum reißt.
Was ist eigentlich mit Ihnen los, haben sie keine Augen im Kopf? Das arme Ding einfach zu umzulaufen und dann auch noch so grob daher zu reden. Was denken sie denn, wer sie sind? Du schaust ihn wieder an. Da ist es endlich. Das lang ersehnte Lächeln. Wundervoll und Atemberaubend.
Entschuldige bitte. Das war ziemlich unhöflich. Darf ich dich als Entschuldigung auf einen Kaffee einladen?…

Date: September 15th, 2008
Cate: Rohmaterial

Leben

Er legte von hinten seinen Arm um meine Taille und schmiegte sich eng an mich. „Hallo mein Engel. Ich hoffe, du hattest einen schönen Tag. Entschuldige bitte, es ist etwas später geworden.“ Keine Antwort. „Ok, dann schlaf schön!“ Seine Stimme klang glücklich und zufrieden, wie immer. Während er sprach, übte er einen kleinen, sanften Druck mit seinem Arm aus. Er küsste meinen Hals, direkt unter meinem rechten Ohr. Dann legte er sich wieder hin und fing an, ruhig und gleichmäßig zu atmen.

Ich schreckte innerlich zusammen, als er seinen Arm um mich legte und betete inständig, dass er nichts merke. Als er sich näher an mich schmiegte, wäre ich am liebsten aus dem Zimmer gerannt, weit weg, die Straße hinunter, und dann? Ein Luftzug wehte seinen Geruch in meine Richtung, als er mich küsste. Es roch vertraut, nach ihm und unserem gemeinsamen Leben. Ich schloss die Augen, um meine Tränen zurückzuhalten. ‚Ich werde ihn verlassen!’

Ich dachte an den heutigen Tag. Ich war wieder da, ich stand wieder da oben und ich schaute ihm direkt in die Augen. Dieses Mal konnte ich ihm noch widerstehen, aber wie lange noch?
Ich wollte mich nicht so von ihm trennen, ich wollte ihn verlassen, wenn noch alles in Ordnung war, es zumindest den Anschein hatte. Ich gehen konnte, ohne unangenehme Fragen beantworten zu müssen.

Ich stehe mit meinen 28 Jahren mitten im Leben. Ich habe einen sicheren Job, der mir ein gutes monatliches Einkommen verspricht, ich studiere abends an der Uni, um einen Abschluss in BWL zu machen und eines Tages die Chance zu bekommen, auf der Karriereleiter ganz nach oben zu klettern. Ich habe meine Freunde. Für Hobbies bleibt da nicht mehr viel Zeit übrig. Ich gehe tagein, tagaus zur Arbeit, danach zur Universität. An meinen freien Tag und am Wochenende lerne ich viel, die restliche Zeit bin ich alleine. Ich erlaube es niemanden, in mein vertrautes Leben einzubrechen. Könnte man doch meine kleine Welt, die ich mir aufgebaut habe, doch zu einfach zerstören. Und so verkrieche ich mich immer mehr in meine Welt. „Hast du einen Freund?“, werde ich gefragt. „Nein, habe ich nicht,“ antworte ich. „Wie denn auch? Ich hätte gar keine Zeit für ihn. So ist es besser!“ Das rede ich mir Tag für Tag ein und zergehe dabei in meiner Einsamkeit.
So lebe ich mein Leben. Stehe morgens wieder auf, um wieder zur Arbeit zu gehen, abends wieder in die Uni und dann wieder ins Bett.
Und dann kommt die Zeit, dass Prüfungen geschrieben werden. Ich kann mich kaum noch auf meinen Job konzentrieren, ich mache einen Fehler nach dem anderen, was Probleme mit meinem Chef und den Kunden nach sich zieht. Aber ich muss mich auf meine Prüfungen konzentrieren, ich muss für die Prüfungen lernen. Ich will gute Noten schreiben, ich will hier weg. Ja, ich hasse meinen Job. Wie am Fließband bearbeite ich motivationslos meine Aufgaben, hacke irgendetwas in den Computer und gehe weiter im Text, wenn das erhoffte Resultat erzielt wurde. Noch drei Tage, dann kommt die erste Prüfung von vieren. Gehe ich heute früher nach Hause oder beende ich noch die Arbeit. Mein Chef schaut schon wieder so griesgrämig. Ok, dann hänge ich lieber noch eine Stunde ran. Und wann lerne ich? Ich bin innerlich zerrüttet. Aber ich werde das schon irgendwie schaffen.
Ich verlasse den Prüfungssaal. Die gute Note kann ich mir abschminken. Wenn ich Glück habe, habe ich mit Biegen und Brechen bestanden. Am besten ich erkundige mich schon einmal nach dem Nachschreibetermin. Aber das hat auch noch Zeit. Ich fahre wieder nach Hause, um für die nächste Prüfung zu lernen, die in sieben Tagen sein wird. Es wird wieder ein Samstag sein. Ich habe noch 7 Tage zum lernen und  5 Tage zu arbeiten.

Vier Wochen später stehe ich am Abgrund meines Lebens. Nichts, alles ist schwarz. Das einzige Licht, welches ich erblicken kann, ist weit unten in der Schlucht. Um es zu erreichen, muss ich nur springen. Es strahlt Wärme und Geborgenheit aus, Liebe, nach der ich mich sehe. Was ist geschehen? Nichts. Ich habe fleißig gelernt, ich habe meine Prüfungen geschrieben, ich bin arbeiten gegangen, bis der nächste Samstag kam. Ich hatte nicht zu lernen, keine Uni, keine Arbeit, nichts zu tun. Ich stand vor den Trümmern meines Lebens. Semesterferien. Ich stand morgens auf und wusste nicht, wohin ich gehen oder was ich machen sollte. So ging ich duschen, zog mich an, frühstückte. Ich ging einkaufen. Kam zurück. Rief meine Eltern an. Wusch ab. Rief meine Freundin an. Ich ging raus. Es regnete, ich wurde pitschnass. Ich kam zurück. Es war keine Minute später als 11.43 Uhr. Den Rest des Tages schaute ich fern. Sonntag stieg ich erst gar nicht aus meinem Bett, sondern blieb den ganzen Tag liegen. Als endlich wieder Montag war, war ich überglücklich, ich konnte wieder arbeiten gehen. Der Stress ebbte ein wenig ab, aber ich merkte, dass ich bei der kleinsten Extra-Anforderung die Fassung verlor. Ich heulte wie ein kleines Kind. Ich saß auf der Arbeit und starrte Löcher in die Luft. Was machte ich hier eigentlich? War das mein Lebenssinn?
Am nächsten Samstag versuchte ich es erneut. Ich stand auf, ging duschen, frühstückte, ging einkaufen, telefonierte, machte den Haushalt und verließ meine Wohnung mit unbestimmtem Ziel. Ich wanderte durch die Strassen von Hamburg. Ich beobachtete die Menschen. Alle hasteten an mir vorbei. Sie waren auf ihrem Weg, sie hatten ein Ziel. Und ich? Wo ging ich hin? Ich hatte keine Ahnung und da kam es mir in den Sinn, zum ersten Mal wurde es mir bewusst. Ich hatte mich verloren. So wie ich ziellos durch Hamburg irrte, irrte ich durch mein Leben, Ohne Ziel. Es traf mich wie ein Zug, der in vollem Tempo auf einen Berg zurast und die Bremsen versagten. Ich hatte mich verloren und keine Ahnung, wie ich mich wieder finden sollte. Wieso machte ich dieses verdammte Studium? Ich dachte, es würde meinem Leben einen Sinn geben, aber jetzt, wo ich Ferien hatte, erschein es mir sinnlos. Was hatte ich in meinem Leben? Nichts! Die einzigen Freunde, die mir geblieben waren, hatten ihre eigenen Probleme, ihr eigenes Leben. Ich fühlte mich selten so einsam wie heute. Das Gefühl fraß mich von innen auf. Ich wollte dem ein Ende setzen. Es fühlte sich alles so sinnlos an. Wieder stand ich an diesem Punkt. Ich wollte hier nicht mehr hin, aber ich war wieder da. Ich hasste mich dafür, wer ich bin und wer ich war, ich hasste das Leben, das ich führte und meine Träume, die sich nie erfüllten, Ziele, die ich verraten hatte. Ich wollte endgültig so nicht weiterleben.
Als ich aus meinen Gedanken erwachte, fand ich mich im Hafen wieder, auf einer hohen Brücke. Unter mir die Elbe, hinter mir Hamburg, vor mir eine Zukunft, die ich nicht mehr erleben wollte. Ich fühlte mich taub. Meine Tränendrüsen waren leer geweint. Ich war am Ende und ich war damit einverstanden. Das Leben hatte mir genug Nichts geschenkt, es reichte. Ich fühlte mich innerlich tot.
Ich stieg über die Brüstung. Mittlerweile war es dunkel geworden. In der Ferne leuchtete ein Licht auf, in einem kleinen Haus. Eine Familie begab sich gerade zu Tisch. Mama hatte etwas Leckeres gekocht und füllte die Teller auf. Die Kinderaugen leuchteten. Alle sahen sich liebevoll an und reichten sich die Hände zum Abendgebet. Dann begannen sie zu essen und plapperten munter durcheinander. Selbst hier oben konnte ich die Liebe spüren. Eine Liebe, die mir verwehrt wurde. Und das brach mit endgültig das Herz. Ich wurde unheimlich wütend. Auf mich, die anderen, die Welt, Gott.
Ich schaute gen Himmel und schrie Gott an. „Wieso, wieso tust du mir das an? Wieso?“ Ich wollte doch nur geliebt werden und lieben. Wenn das zuviel verlangt war, dann wollte ich nicht mehr leben. „Hörst du mich! Ich will so nicht weiter leben. Ich kann das einfach nicht mehr. Es ist zu schwer für mich. Ich gebe auf!“
Ich schaute zur Familie, durch das kleine Fenster. Auf einmal stand der Vater auf und schaute zu mir hoch. Es war unmöglich, dass er mich aus dieser Entfernung sehen konnte, aber in seinen Augen konnte ich lesen, ‚Tu es nicht!’. Was wusste er, was wusste er schon von meinem Leben? Einen Scheiß.
Ich war fest entschlossen. Ich schloss meine Augen, holte tief Luft, atmete ein letztes Mal tief durch und holte zum Sprung aus.

„Ich war heute wieder oben!“ Nichts. „Ich wollte mich umbringen.“ Wieder nichts. Stille. „Und wieso hast du es nicht getan?“ Ich schloss meine Augen. Dieses Mal war seine Stimmte erfüllt von Angst. „Ich konnte nicht! Es war anders als beim letzten Mal.“ „Was war anders?“ „Der Mann am Fenster, er lächelte. Und als ich genauer hinschaute, konnte ich dein Gesicht sehen.“ Jetzt konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Wir hatten uns damals versprochen, immer ehrlich zueinander zu sein. Ich musste es ihm sagen. „Ich werde dich verlassen.“ Ich liebte ihn. Das spürte ich tief in meinem Herzen. Aber ich habe erkennen müssen, dass auch Liebe mir nicht weiter geholfen hat. Ich fühlte mich immer noch leer. Anfangs konnte seine Liebe diese Leere füllen. Ich war wieder glücklich und konnte mir nicht vorstellen, wieder an diesen Punkt zu geraten, aber da war ich wieder. Das Gefühl völlig verloren zu sein, war wieder zurückgekehrt. Es schlich sich langsam ein. Mit jedem Tag der in den letzten zwei Jahren vorüber ging. Bis ich es nicht mehr ignorieren konnte.
Ich spürte, wie er nach Worten rang. Was sollte er sagen? „Wieso? Was ist los? Warum auf einmal? Was ist passiert?“ Wenn ich das nur wüsste, wie sollte ich ihm das erklären? „Schau mich an!“ Ich wollte ihm jetzt nicht in die Augen sehen. „Verdammt, schau mich an!“ Er hatte mich bis heute nie angeschrieen. Nie war er aus seiner Haut gefahren, wenn ich bei ihm war. Er war immer der Starke, der ruhige Pol. Wenn meine Welt unterging, war er mein Anker. Und jetzt verlor er die Fassung und schrie mich an.

Ich wollte springen, aber etwas hielt mich fest. Ich versuchte es erneut, dieses Mal mit mehr Kraft, aber ich kam nicht von der Stelle. Ich versuchte mich los zu reißen. Ich fing an zu schreien, so laut ich konnte. „Wieso willst du mich nicht gehen lassen? Lass mich los. Ich kann nicht mehr!“ Ich schrie und betete für meinen Tod. Ich versuchte fester, mich zu befreien. Ich rang und kämpfte. Aber Gott war stärker. Und meine Kräfte ließen schnell nach. Ich sank erschöpft zu Boden und schloss meine Augen.
Als ich sie wieder öffnete, befand ich mich in einem Zimmer, das ich nicht kannte. Wo war ich? Sah so der Himmel aus? Die Hölle? Draußen war es dunkel. Der Mond schien durch das Fenster herein. Er war fast gefüllt. Viele dunkle Flecken besiedelten seine helle Oberfläche. Sie ließen ihn dreckig und fehlerhaft erscheinen. Aber wie er mich so durch das Fenster ansah, sah er einfach nur wunderschön aus. Ich konnte meinen Blick nicht von ihm abwenden. Er faszinierte mich. Mich überkam ein Gefühl von unendlicher Freude, dass ich mir den Mond anschauen durfte, dass ich seine Kraft spüren konnte, dass ich seine Energie in mir spüren konnte, dass ich am Leben war. Ich war glücklich. Es war ein Gefühl, dass ich seit langem nicht mehr in mir gespürt habe. Es fühlte sich gut an. Es brachte mich benahe zum Lächeln.
In diesem Augenblick öffnete sich eine Tür. Ein heller Strahl fiel in das Zimmer. Ein Mann kam herein, mit einer Tasse in seinen Händen. Er kam zu mir ans Bett. Als er sah, dass ich wach war, fing er an zu lächeln. Es war, als ob die Sonne vor meinen Augen aufging. Seine blauen Augen leuchteten, seine Nase tanzte, seine Mundwinkel zogen sich weit zu den Ohren hoch und ließen strahlend weiße Zähne zum Vorschein kommen. Er hob seine Hand in Richtung meiner Schulter und berührte sie leicht. „Hey, du bist aufgewacht! Ich habe dir einen Tee gemacht.“ Als ich mich aufrichten wollte, drückte er mich sanft wieder runter. „Nein, bleib ruhig liegen. Ich stelle dir die Tasse hier auf den Tisch. Schlaf dich erst einmal aus!“ Er stellte die Tasse auf den Nachttisch und verschwand wieder.
Ich war wieder allein. Und ich war unheimlich müde. Ich schloss wieder meine Augen und schlief ein.

„Was ist heute passiert? Wieso willst du mich verlassen?“ Er klang beunruhigt. „Ich kann nicht bei dir bleiben. Ich mache dich unglücklich.“ Die Stärke, die ich mir in den letzten Jahren aufgebaut hatte, war an diesem Tag über die Brüstung gegangen und gesprungen. Und hat mich hier zurückgelassen.

Date: September 14th, 2008
Cate: Rohmaterial

Ein Moment

Ich möchte dir etwas erzählen, was ich heute gesehen habe. Ich  weiß nicht, ob es die wahre Liebe war, aber ich habe heute ein Paar gesehen, sie waren mit sich und es sah nach Abschied aus. Aber es sah ehrlich aus. Wie er sie in seinem Arm gehalten hat, seine Hände um ihre Hüften. Und sie stand so nah bei ihm und hat ihm etwas erzählt. Sie sah glücklich aus und beide schienen füreinander da zu sein. Sie haben sich gesehen und sie waren miteinander da. Sie erzählte ihm etwas und gestikulierte wild. Er sah sieh einfach nur an und lächelte. Beide gaben sich einen Kuss und lächelten. Sie redete weiter. Über was auch immer. Das zählte in diesem Moment einfach nicht. Bevor sich der Zug wieder in Bewegung setzte und langsam aus dem Bahnhof fuhr, sah ich die beiden küssen. Es sah so zärtlich aus, wie die beiden miteinander umgegangen sind. Es war ein Moment, den man einfach erleben möchte. Diese Zweisamkeit und Vertrautheit zwischen den beiden. Es war atemberaubend. Das war ein Moment, den man mit seinem Liebsten genießen möchte. Der Zug fuhr davon und ließ die beiden alleine am Bahnsteig zurück…

Date: September 12th, 2008
Cate: Rohmaterial

Kindheit

Siehst du die beiden Mädchen da hinten spielen? Wie jung und unschuldig sie doch sind. Sie denken nicht, an das morgen oder das gestern. Sie kümmern sich nicht um den Einkauf oder die Wäsche, die gewaschen werden muss. Sie sitzen auf den Schaukeln und fliegen immer höher in den Himmel. Sie lachen und haben Spaß. Sie sind unbeschwert und genießen das Leben. Wir können soviel von den Kindern lernen, was uns nicht mehr bewusst ist. Den Moment genießen, nicht soviel über das was wäre wenn nachdenken, sondern einfach handeln. Die Kinder handeln aus ihrem Instinkt heraus, sie machen, was das Universum ihnen sagt. Sie sind damit mehr verbunden als wir. Du sagst, sie haben ja auch keine Verantwortung und keine Pflichten. Das möchte ich dir auch gar nicht nehmen. Sie sollen dir erhalten bleiben. Ja, was möchtest du dann, fragst du mich. Ich möchte einfach, dass du dich auf diesen einen Moment verlässt und dich gehen lässt. Denke nicht nach, sondern genieße diesen Moment einfach. Nimm ihn auf, mit allem was dir gegeben wurde. Denke nicht nach, sondern handele einfach. Gehe deinem Instinkt nach. Was würdest du jetzt gerne machen? Du schaust zur Schaukel. Geh rüber, und tu es einfach. Geh… Und du gehst rüber und tust es. Du setzt dich auf die Schaukel und nimmst Schwung. Immer höher, immer weiter. Du fühlst dich wieder jung und frei und voller Energie. Alle deine versteckten Träume kommen wieder. Das Pony, das Barbietraumhaus, der Hund, Clara und Louise… Alles ist auf einmal wieder da. Diese Unbeschwertheit. Und während du immer weiter aufsteigst gen Himmel, fängst du an zu lachen. Aus tiefstem Herzen. Du lachst und lachst. Du achtest auf niemanden. Die Sonne scheint, dein Bauch überflügelt sich… Und du nimmst neuen Schwung. Noch einen Anlauf mehr und du überschlägst dich… Es macht soviel Freude.
Dann schleicht sich ein Gedanke in deinen Kopf, der dir so fremd und so falsch vorkommt. Was machst du hier eigentlich? Du bist siebenundzwanzig und sitzt auf einer Schaukel und lachst. Bist du bescheuert? Nein, sagst du dir, ich habe Spaß. Seit Jahren hatte ich nicht mehr so einen Spaß. Und du lachst dich und deine Gedanken aus. Aber sie haben schon wieder die Oberhand ergriffen. Du steigst von der Schaukel ab und gehst weiter deinen Weg. Aber zufrieden und mit einem kleinen Frieden in dir, den du heute für dich gefunden hast. Hier bei den Schaukeln.
Abends als du im Bett liegst, schwingst du dich wieder von einer Seite zur anderen. Und du steigst immer höher… Und kurz bevor du ins Reich der Träume übergehst, schaffst du es. Du machst den Überschlag…