Date: January 5th, 2009
Cate: Persönliches
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Geschichten, die das Leben schreibt

Es gibt Dinge, die passieren anderen und es gibt Dinge, die passieren vorzugsweise mir.

Wie auch heute geschehen. Ich habe euch ja schon von meinem kleinen roten Schnuckel erzählt, das gerne mal seinen eigenen Kopf durchsetzt und mir immer wieder gerne dabei behilflich ist, ein paar Gehirnzellen zu verlieren, Falten zu bekommen und ein wenig mehr Bewegung zu erlangen. Um der roten Kugel allerdings mal wieder zu verstehen zu geben, dass es ja auch nur ein Auto ist, kam es vor kurzem in die Werkstatt, um mehrere kleine Macken zu beseitigen, wie unter anderem einen Reifen, der mit der Zeit gerne mal das ein oder andere Bar Luft verlor.

Ich hatte natürlich höchstes Vertrauen in die deutsche Wertarbeit und so fuhr ich dann nach dem Aufenthalt in der Werkstatt lustig meine Kilometer ab. Und freute mich, mal wieder Herr über mein Auto geworden zu sein und der übermächtigen Rasse Mensch anzugehören.

Bis ich dann heute mal wieder eines besseren belehrt wurde.

Auf meinem Weg von der Arbeit zurück nach Hamburg und zur Uni bemerkte ich schon, dass mein Auto in eine gewisse Richtung lenkte und ich stark gegenlenken musste. Im Laufe der Strecke war es mir dann ein fragliches, warum mein Lenkrad so schwer zu bedienen war. Vor allem beim Einparken (vorwärts) hatte ich einige Probleme, denn ich kam kaum um die Ecke. Da mir der Werkstattaufenthalt noch im Gedächtnis war, schaute ich um die Ecke und bemerkte sogleich den Grund meiner Schwierigkeiten. Ich hatte einen Platten. Und genau an dem Reifen, der vor kurzem einer Schönheitskur unterzogen wurde. Ich machte mir erst einmal keine Gedanken weiter, denn es galt dem Wort meines Dozenten zu lauschen, der uns nicht nur auf die nächste Prüfung, sondern auch auf das Leben vorbereiten wollte.

Als ich dann quälende Momente voller Kaugummi hinter mir hatte, ging ich zurück zum Auto, in der Hoffnung, es doch noch bis zur nächsten Tankstelle zu schaffen, um den Reifen wieder aufzupumpen, und es eventuell noch bis nach Hause zu schaffen. Nur sah das ganz schlecht aus, denn die Felge hatte bereits Freundschaft mit dem Hamburger Betonboden geschlossen.

Da ich ja nun kein Kind von Traurigkeit bin, war die nächste Aktion bereits beschlossen, Reifenwechsel. Ich habe hinten immer einen Ersatzreifen drin, der aus meinem Bestand der Sommer- oder Winterreifen kommt. Allerdings bin ich auch nur eine schwache junge Dame und bediente mich der Hilfe, eines jungen starken Passanten, um die Muttern der Reifen lose zu machen. Der willigte wiederwillig ein. Nicht aber ohne mich zu fragen, ob ich nicht Mitglied beim Autoclub bin, der mit AD anfängt und AC aufhört. Nun bin ich ein Nutzniesser einer Servicemitgliedschafts eines Pannenhelfers (nicht des ADACs), aber um einen blöden Reifen zu wechseln, muss ich doch wahrlich nicht die Dienstleistung eines solchen in Anspruch nehmen, oder? Es ist doch nur ein Reifen. Bis der vor Ort ist, habe ich doch den Reifen schon dreimal gewechselt. Zumal ich natürlich Handynummer und Co gerade nicht (!) zur Hand hatte. Also half mir der junge Mann bein Lösen der Muttern und ging seiner Wege. Den Rest konnte ich auch gut alleine erledigen.

Kaum war der Helfer ausser Sichtweite kam eine Freundin vorbei, der ich vorher noch von meinen Sorgen bezüglich des Reifens erzählt hatte. Da es ja im Winter schon gegen fünf dunkel ist, spendete sie mir mit ihrem Auto etwas Licht. Ich schraubte die restlichen Schrauben ab und wechselte den Reifen. Dank dem Licht war dies auch nicht wirklich ein Problem und ich konnte leicht die Löcher für die Muttern finden. Die Freundin stand daneben und unterhielt mich derweil ein wenig. Ob sie tanzte oder sich beschwingt gegen das Auto lehnte, konnte ich dabei leider nicht erkennen, denn meine volle Aufmerksamkeit galt der Sache. Als die Schrauben wieder dran waren, haben wir den nächsten Passanten um Hilfe gebeten, die Schrauben noch einmal ordentlich fest zu ziehen. Das Problem hatte ich ja vorhin schon einmal kurz angerissen. Der hatte allerdings gerade einen Bandscheibenvorfall hinter sich und konnte nicht behilflich sein. Aber er hatte noch ein paar gute Ratschläge parat.

Nachdem dann der Sommerreifen mein Auto zierte, ging es zurück auf die winterlichen Strassen von Hamburg. Nach Hause habe ich es noch gut geschafft. Morgen werde ich meiner Werkstatt dann wohl noch einmal einen Besuch abstatten müssen.

Wenn ihr morgen also jemanden im Metronom sitzen seht, den ihr schon eine Weile nicht mehr gesehen habt und der ein wenig verzweifelt aussieht, dann habt ihr gute Chancen, dass ich das bin…

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