Ein Freund hat mir gesagt, dass seine Erfahrung bezüglich Urlaub in Frankreich eher in Richtung Abenteuerurlaub gehen. Nach dem heutigen Tag würde ich das fast unterstreichen.
Ich habe mich heute endlich auf nach Frankreich gemacht. Nachdem ich mich vor einigen Wochen dann endlich mal dafür entschieden habe, mich selbst einmal nach Frankreich zu begeben, um mir das alles mal anzuschauen, kann es dann heute endlich losgehen. Das Hotel ist gebucht, der Flug, das Ticket für den Zug… das mit dem Packen habe ich gestern auch mehr oder weniger hinbekommen. Zum Glück war mein Koffer dann doch groß genug, dass ich sogar das ein oder andere Notfallkleidungsstück einpacken konnte, was man als Frau natürlich braucht.
Heute Morgen um sieben hat dann der Wecker geklingelt und gegen acht bin ich aus dem Haus. Der Flug nach Paris war ja noch sehr angenehm. Ich hatte auch Glück und konnte meinen Sitz am Gang gegen den am Fenster eintauschen. Und als wir dann im Landeanflug nach Paris waren, konnte ich mir dann Paris schon einmal von oben anschauen, und da war er dann auch schon zu sehen, der Eiffelturm. In ein paar Tagen, werde ich mir das Ding mal aus der Nähe anschauen. Mal schauen, ob er wirklich so gewaltig ist, wie alle immer sagen. Schade, dass wir nicht noch einmal so über Paris geflogen sind. Ich finde, das sollten die Fluggesellschaften für die Touris immer noch einmal einführen, einmal über die Stadt rüberfliegen, zum Fotos schiessen, stauen, aus dem Fenster mit dem Finger zeigen, und was auch immer… das vermisse ich wirklich jedes Mal aufs neue…
Na ja, … da das mein erster Flug ins europäische Ausland und dann auch noch mit Gepäck war, renne ich erst einmal halb blind, quer durch die Flughalle, um das Gepäckband zu finden. Und da sich da noch nichts tat, ging ich erst einmal auf die Suche nach einer Toilette. Ok, ich muss gestehen, in Frankreich ist es wie überall auf der Welt, Anstehen am Frauenklo. Aber so kann man wenigstens die Zeit überbrücken, bis dann endlich das Gepäck an einem vorbeigefahren kommt und man es einpacken kann.
Mit meinem Flug nach Paris hatte ich aber erst den halben Teil meiner Reise hinter mich gebracht. Danach musste ich mich dann irgendwie zur Metro durchkämpfen und mit Umsteigen vom nördlichen in den südlichen Teil von Paris fahren. Da ich zum Glück ja auch in einer Großstadt wohne, fiel mir das nicht wirklich schwer, mich mit Hilfe des Plans zurecht zu finden. Mich hat er allerdings doch schon ziemlich erstaunt, dass ich ganze zwei Stunden vom Flughafen, mit Gepäck abholen, Fahrkarte kaufen und Metro fahren benötigt habe.
Die Fahrt mit der Metro war ja noch sehr angenehm. Der Umstieg am Gard du Nord hat sich da allerdings zu einer kleinen Farse entwickelt. Denn die Wege in der Metro in Paris sind irgendwie einfach viel zu lang. Um von einem Zug zum andern zu kommen, läuft man sich die Hacken ab. Und ich hatte dann auch noch die große Freude, dass gerade am heutigen Tag auch noch die Rolltreppen ausgefallen sind und ich meinen schweren Koffer wirklich hoch und runter und wieder hoch und runter und hoch und runter und nochmal hoch und runter schleppen konnte. Das war wirklich ätzend. Zum Glück konnte man auf den geraden Strecken den Koffer ziehen. Wie haben die Leute das nur damals gemacht, als es noch keine Rollies gab. Haben die den Koffer die ganze Zeit geschleppt, hatten die kleinere, leichtere Koffer oder haben die einfach nur die Hälfte eingepackt?
Gut soweit so gut, ich war endlich am Bahnhof von Montparnasse angekommen. Zum Glück hatte ich mein Ticket für den TGV schon gekauft, denn ich hätte da fast meinen Zug verpasst. In den letzten Sekunden springe ich noch in meinen Wagen und nicht viel später, fährt der Zug dann auch los. Da ich so spät dran war und keine Zeit mehr hatte, hatte ich mittlerweile Hunger und Durst. Was der Laune und Kondition natürlich nicht wirklich zuträglich ist. Bisher hatte ich auch noch Glück und musste meine verkappten Französichkenntnisse noch nicht auf die Probe stellen, was sich aber in den nächsten fünf Sekunden ändern sollte, denn mein schon vor Wochen gebuchter Platz wurde von einem anderen Passagier besetzt, der sich standhaft weigerte, mir den Platz zu überlassen. Nun stand ich da, im TGV, der Zug fuhr gerade Richtung nirgendwo und ich hatte eine vier einhalb Stundenfahrt in die Pampa vor mir und ich hatte keinen Platz. Aus lauter Verzweiflung habe bin ich dann den ganzen Zug einmal durchstiefelt, auf der Suche nach einem Schaffner. Und das war wirklich kein Spass, denn die Gänge waren entweder mit Koffern vollgestellt oder andere, denen das gleich Schicksal ohne Platz dazustehen ereilt hatte, saßen auf dem Boden. Dem Schaffner habe ich dann mit meinem(!) Französisch zu verstehen gegeben, dass mein Platz besetzt. Also wir zurück durch den ganzen Zug zu meinem Platz… Ohhh der Speisewagen… Eben noch einmal was zu trinken gekauft und weiter… Da der Typ wohl auch rechtmässig auf meinem Platz saß, wer zuerst kommt, mal ja bekanntlich zuerst, oder sitzt zuerst, ging es für mich nun wieder, dieses Mal mit Koffer, quer durch den Zug zurück in die erste Klasse. Ist das nicht toll, der Schaffner hat mich in die erste Klasse gesetzt. Endlich an meinem Platz angekommen, habe ich es mir bequem gemacht und konnte erst einmal durchatmen. Es lagen jetzt noch ungefähr vier Stunden Zugfahrt vor mir… Das ich dann aber immer noch nicht da war, das versuchte ich mir dann erst einmal nicht weiter zu überlegen. Das konnte ich dann noch in vier Stunden machen.
Nach zwei Stunden Fahrt, wir waren mittlerweile in Rennes, ist mein Nachbar, der komischer Weise unsere beiden Sitzen reserviert hatte, ausgestiegen und die nächsten beiden wollten den Platz haben. Ergo… stand ich wieder ohne Sitzplatz da und der Zug war immer noch proppevoll. Da ich aber gesehen hatte, dass mit meinem Nachbarn auch noch der Schaffner den Zug verliess und ich mich mit seinem Nachfolger nicht unbedingt anfreunden wollte, habe ich es wie viele andere gemacht und mir irgendwo einen Platz am Gang oder am Einstiegsbereich gesucht. Und das ist wirklich, wirklich eine beschissene Art zu reisen, glaubt es mir. Und hier konnte ich dann auch einen Satz erlernen, der mir in meinem Urlaub noch zu meinem Lieblingssatz forcieren wird, ich nix verstehen…
Wäre das nicht schon Strafe genug, so haben wir dann auch etwa nach dreiviertel der Strecke einen Personenschaden auf der Strecke gehabt. Wir standen im nirgendwo für circa eine Stunden und sind nicht weitergekommen. In einigen der Gesichter der Passagiere stieg die Panik auf, denn genau wie hier in Deutschland wollten Anschlüsse geschafft werden. Es wurden Handys gezückt und die Verspätung durchgegeben. Nach einer Stunde waren wir dann alle froh, dass es endlich weiter geht. Und so bin ich dann nach fünf ein halb Stunden auch endlich in Brest angekommen. Einer wunderschönen kleinen Stadt am Atlantik und in der Bretagne.
Aber wie ich schon erwähnte, war noch immer nicht mein Endflughafen. Denn ich wollte ja nach Brignogan-Plage. Und da um diese Uhrzeit, es war mittlerweile kurz nach acht keine Busse mehr in die Richtung fahren, war ich für die letzten 35 km auf ein Taxi angewiesen. Und habe dafür unsägliche 80 Euro bezahlt. Ich konnte es auch fast nicht glauben. Vor allem weil man für eine Bustour gerade mal 2 Euro bezahlt. Aber ich will darüber gar nicht weiter nachdenken… Ich habe es gerne bezahlt… Und so kam ich dann nach knapp 13 Stunden endlich in Brignogan an…
In meiner Unterkunft ist dann zum Glück alles gut gelaufen. Mein Zimmer war immer noch gebucht, ich habe meine Schlüssel bekommen und konnte aufs Zimmer gehen. Und der Ausblick aus meinem Fenster war schon einfach atemberaubend. Wie man auf den Fotos noch sehen wird. Es war einfach wunderbar. Das hat einen die Strapazen wirklich vergessen lassen.
Danach bin ich dann auch noch mal kurz rausgegangen, um schon einmal die Seeluft zu schnuppern und mich mit dem Ort, der für die nächsten Tage mein zu Hause sein wird, anzufreuden.
Also nächstes Mal überlege ich es mir wirklich, ob es mir nicht wert ist, 100 Euro mehr für ein Flugticket auszugeben und direkt bis nach Brest zu fliegen.